Immer mehr Kreuzfahrer auf den Meeren unterwegs
Seit die moderne Vergnügungs-Kreuzfahrt im ausgehenden 19. Jahrhundert erfunden wurde, hat sie eine wechselhafte Geschichte hinter sich. 1891 hatte Albert Ballin, Direktor der damaligen HAPAG, die Idee, Schiffe in den Wintermonaten nicht stillzulegen, sondern sie zur Vergnügungsfahrten auf das Mittelmeer zu schicken. Die Idee schlug ein und immer mehr Kreuzfahrer sicherten sich auch im Winter ein Ticket. Die ersten Kreuzfahrten konzentrierten sich voll und ganz auf das Luxussegment: An Bord herrschten Abendkleider und Smoking vor, es wurde elegant gespeist und unterhielten sich in nobel ausgestatteten Salons.
Der Boom der Hochseekreuzfahrten
Zum richtigen Kreuzfahrtboom kam es allerdings erst, als die Vergnügungstouren auch für den Mittelstand bezahlbar wurden. Die Reedereien versuchten, mit günstigeren Preisen ein anderes Publikum und vor allem eine größere Zahl Kreuzfahrer anzusprechen. Die Fahrten führten bald nicht mehr nur durch das Mittelmeer, sondern zu aufregenden Reisezielen auf der ganzen Welt. Landgänge gehörten schnell zum Standardprogramm bei den Kreuzfahrten. Ende der 1990er Jahre erreichte der Kreuzfahrt-Boom dann einen neuen Höhepunkt, als neben den immer noch sehr luxuriösen Schiffen eine neue Linie von Funlinern in See stach, die vor allem ein jungen, auf Unterhaltung fokussiertes Publikum ins Visier nahm. Zur modernen Kreuzfahrt gehören ein ausgefeiltes Animationsprogramm, Bars, Discos, Kinos und zahlreiche Sportmöglichkeiten. Das Passagieraufkommen im deutschen Kreuzfahrtmarkt entwickelte sich vor allem im jungen 21. Jahrhundert rasant: Machten 2001 noch 392.000 Kreuzfahrer die Vergnügungstouren mit, waren es 2006 schon knapp 700.000 Passagiere. Im Jahr 2010 gingen sogar 1,7 Millionen Kreuzfahrer an Bord von Hochsee- und Flussschiffen. Der Umsatz allein mit Hochseekreuzfahrten belief sich im selben Jahr auf rund 2,1 Milliarden Euro.
Beliebtheit hält an, doch die Preise sinken
Für 2011 erwartet die Kreuzfahrtindustrie sogar ihr Rekordjahr. Deutschland ist der weltweit am schnellsten wachsende Markt für Kreuzfahrten. Kreuzfahrten liegen also nach wie vor im Trend. Doch wie sehen die Prognosen für die kommenden Jahre aus? Zahlreiche Reedereien von Hochseekreuzfahrtschiffen planen für 2012 und die folgenden Jahre den Bau neuer Schiffe. Die Anbieter erwarten angesichts der aktuellen Buchungszahlen, dass die Faszination der Hochseekreuzfahrt weiterhin anhält. Vor allem stärker spezialisierte Konzepte wie Sport-Kreuzfahrten und ungewöhnliche Reiseziele wie die Antarktis sollen die Kreuzfahrer ansprechen und zum Kauf eines Tickets verführen. Im Gegensatz zu den steigenden Passagierzahlen sinken die Durchschnittspreise für eine Kreuzfahrt allerdings deutlich: 2009 kostete die Übernachtung an Bord noch 194 Euro, 2010 waren es nur noch 182 Euro.